IRRENDE RESONANZEN (*) – Gespraeche ueber Hoffnung

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IRRENDE RESONANZEN (*) – Gespraeche ueber Hoffnung
Donnerstag,    14. April 2011,  19:30 Uhr,  geh8 Kunstraum

Liebe Freunde der geh8,

am kommenden Donnerstag findet im Rahmen der aktuellen Ausstellung von Paul Elsner eine oeffentliche Gespraechsrunde mit dem Titel -Irrende Resonanzen- statt.

Im Spannungsfeld von Kunst, Philosophie und Religion wird das zwischen Wunsch und Wirklichkeit oszillierende Phaenomen der Hoffnung genauer in Augenschein genommen.
Wir freuen uns auf ein interessiertes Publikum und einen anregenden Abend zu dem wir herzlich einladen.

Es diskutieren:
Roland Bluhm, Philosoph (Berlin), Friedrich Hausen, Philosoph (Dresden), Michael Waechter, Katholischer Theologe (Dresden) und Johannes Schmidt, Kunsthistoriker (Dresden).

*) Der Titel des Abends -Irrende Resonanzen- ist einem Werk des Komponisten Luigi Nono entlehnt, das unter dem italienischen Titel -Risonanza Erranti- 1986 in Koeln uraufgefuehrt wurde.

Beschaeftigt sich die Installation -Unverhofft ins Blaue- mit Utopien? Bei mir zumindest loest sie Assoziationen aus, die mich auf Utopien verweisen: zum Beispiel Assoziationen von Fernseh- oder Computertechnologie, Raumfahrt, Science fiction.

Festlegen laesst sich die Installation freilich nicht, schon gar nicht in eine Eindeutigkeit hineinzwingen. Neutral bleibt sie in meinen Augen allerdings auch nicht: Der prominenteste Teil der Installation, ein blaeulich leuchtender, sechsteiliger Koerper, ist gross. Zu gross. Aufgeblasen. Das Geruest, das ihn traegt, wirkt fragil, und es steht offenbar unter Spannung. Einer Spannung, ohne die der Koerper in sich zusammenfallen wuerde.
Vielleicht sind das Eigenheiten, die Utopien nicht zwangslaeufig haben muessen. Aber an diejenigen Utopien, die diese Eigenheiten aufweisen, werde ich hier erinnert.

Utopien, oder zumindest die Utopien, die ich durch die Installation angedeutet sehe, sind Ausdruck kollektiver Hoffnung. Doch es sind keineswegs nur die kollektiven Hoffnungen, die aufgeblasen und (deshalb) fragil sein koennen und nur unter Spannung aufrechtzuerhalten sind. Auch individuelle Hoffnungen koennen dieser Art sein.

Muessen sie so sein?

Zumindest das sollten wir nicht vergessen: Dass wir masslos und unbedacht sein koennen in unseren Wuenschen. Und dass wir dazu neigen, uns deshalb Hoffnung zu machen oder deshalb an einer Hoffnung festzuhalten, weil wir wuenschen, das Erhoffte moege eintreten. Das kann uns bis in die Wirklichkeitsverweigerung treiben, in einen Zustand, in dem die Hoffnung immer raumgreifender, zugleich aber auch immer spannungsreicher und fragiler wird.

Das ist eine Interpretation. Sie ist ausgeloest und getragen von dem eher unheimlichen Eindruck, den ich bei meiner ersten Begehung der Installation gewonnen habe.

Erschoepfend ist die Interpretation ganz gewiss nicht. Wenn man -Unverhofft ins Blaue- geraet, dann muss das nicht heissen, dass das Unverhoffte, das Blaue, etwas Schlechtes ist. Nicht alles, was wir planend und hoffend beginnen, endet da, wo wir es enden sahen. Das heisst nicht, dass sich das, was sich tatsaechlich einstellt, schlecht sein muss. Vielleicht erweist sich das Blaue ja als geeignet, unsere Beduerfnisse zu erfuellen. Moeglicherweise sogar solche, von denen wir vor seinem Eintreten gar nichts ahnten.

Wenn das aber gilt, dann muss es auch auf die Installation selbst angewandt werden. Das heisst: Wir sollten uns in unserer Begegnung mit der Installation nicht von unseren vorgaengigen Hoffnungen und Erwartungen bestimmen lassen, sondern offen sein fuer das, was uns tatsaechlich begegnet. Und wenn das wiederum gilt, dann gilt es auch für den Kuenstler als Rezipienten seines eigenen Werkes. Insofern enthaelt -Unverhofft ins Blaue- ein statement ueber sich selbst, und mir scheint, wir sollten es als statement über das Verhaeltnis von Kuenstler, Rezipient und Kunstwerk ueberhaupt verstehen.

Roland Bluhm

geh8 – Kunstraum und Ateliers e.V.

Gehestr. 8
D-01127 Dresden

www.geh8.de
mail@geh8.de

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