„Data Recovery“,

Die Klasse Sery lädt herzlich zu einem Vortrag von Dalibor Martinis,

„Data Recovery“,

am 5. Mai 2011 um 16.00 Uhr,

in die Hochschule für Bildende Künste Dresden, Aula Güntzstraße 34 ein.

Data Recovery. Dalibor Martinis. Videoarbeiten 1976-2011

Dalibor Martinis (*1947) ist nicht nur ein namhafter kroatischer Künstler, sondern auch einer der weltweiten Pioniere der Medienkunst. Bereits in den frühen 1970er Jahren begann er, mit Video zu arbeiten. Dabei dachte er, anders als viele frühe Kollegen, die das Medium für sich entdeckten, immer dessen Bedingungen und Besonderheiten mit. So wickelt er für die Arbeit „Open reel“ (1976) seinen eigenen Kopf in gerade bespieltes Videoband ein, dreht sich wie eine zweite Spule und durchbricht bereits damit die Grenzen zwischen Dokumentation, Technologie und Performance. Auch seine Arbeit „Dalibor Martinis talks to Dalibor Martinis“ ist nichts weniger als visionär. Sie spielt sich im Jahr 2010 in einem fiktiven Fernsehstudio ab. Während der Künstler selbst in einem Talkshowsessel sitzt, befragt ihn von einem Bildschirm aus seine jüngere Version. Diese alten Schwarzweißaufnahmen entstanden im Jahr 1978, mit in der vollen Absicht, Jahrzehnte später eine Videozeitschleife zu inszenieren. Nachdem DM 2010 die Frage seines Alter Ego nach seiner Existenz positiv beantwortet hat, erklärt er, dass das größte Problem des Projekts darin bestanden habe, das Filmmaterial selbst wieder abspielfähig zu machen – um dieses Gespräch mit sich selbst durchzuführen.
Die Arbeit „DM talks to DM“ wird also eine zentrale Rolle in der aktuellen Überblicksausstellung von Dalibor Martinis in der Motorenhalle spielen. Während er sich in den Anfangszeiten des Mediums noch mit dessen Bedingtheiten auseinandersetzt – etwa bei „Video Immunity“ (1978), wo er eine gleichsam rituelle Reinigung unter der laufenden Kamera aufführt – so konzentriert er sich später auf politische Themen. Mit „Comrades and Citizens“ (2006) inszeniert er sich in der Pose des kommunistischen Führers von Jugoslawien und wiederholt eine flammende Rede von Josip Broz Tito. Er projiziert sie zunächst im städtischen Außenraum, wo er die Aufnahme rückwärts laufen lässt. Die Rede bleibt für das Publikum unverständlich. Doch auch diese Situation wird wiederum gefilmt und dann selbst rückwärts abgespielt. Alle Menschen auf dem Platz laufen rückwärts, sie bewegen sich sozusagen in eine vergangene Zeit, in der die Propagandabotschaft wieder zu verstehen ist. „Comrades and Citizens“ spricht damit auch die Probleme der Transformationen von 1989 an und lauscht den Nachwirkungen und Verwerfungen dieser Zeit nach. Das Pingpongspiel mit Vergangenheit und Geschichte nimmt Dalibor Martinis auch in seiner aktuellen Videoarbeit „Egyptian Odessa Stairs“ (2011), wo er das berühmte Filmmaterial von Sergej Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“ mit den Geräuschen von der ägyptischen Revolution unterlegt. Martinis untersucht die Zeitschleife, in der sich Historie abspielt und bleibt auch damit seinen analytischen Grundsätzen gegenüber dem Medium Video und politischen Vorgängen treu.

Die Ausstellung „Data Recovery. Dalibor Martinis. Videoarbeiten 1976-2011“ wird am Mittwoch, 4. Mai um 20 Uhr mit einem Ausstellungsgespräch in Anwesenheit von Dalibor Martinis eröffnet.

Ort: Motorenhalle. Projektzentrum für zeitgenössische Kunst, Adlergasse 14,
01067 Dresden,

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