Dresdner Faulenzer und das allgemeine Akademiedrama

Aus: ‚Informationsdienst Kunst‘ Nr. 477 S.21 -22, Autor: Karlheinz Schmid

„Die Hochschule für Bildende Künste in Dresden mag hier nur als Beispiel stehen, denn landauf und landab lässt sich Gleiches beobachten. Die Professoren unserer Kunstakademien sind, mit Verlaub, nicht nur bequem, sondern ungeheuer faule Säcke. Wir wollen diesmal gar nicht über das seit Jahrzehnten debattierte Problem der dürftigen, selten ausreichenden Anwesenheit berichten. Auch das teils leider fehlende Wissen oder, ehrlicher, Halbwissen soll kein Thema mehr sein. Schließlich wissen wir längst, dass Hochschulprofessoren berufen werden, weil sie möglichst als Künstler prominent und somit extrem beschäftigt sind oder, wenigstens, den bereits etablierten Kollegen keine ernstzunehmende Konkurrenz machen. Alles soll nämlich so betulich bleiben, wie es ist.

Denn der Herr oder die Frau Professor hat ja sooo viele Verpflichtungen; da ‚ne eigene Ausstellung, dort eine Jury-Sitzung, dann wieder einen maßgeschneiderten Großauftrag im öffentlichen oder privaten Raum, und vergessen wir die vielen Kinder, Liebschaften und luxuriösen Verpflichtungen nicht. Wie soll da auch noch der Studierende zu seinem Recht kommen? Und, ja, überhaupt, hat der denn Rechte? Soll doch heilfroh sein, dass er später in seine Biografie reinschreiben darf, bei X oder Y studiert zu haben. Das öffnet Türen. Mehr muss nicht sein. Denkt so mancher Professor.

Und im Zuge dieser ganzen Nachlässigkeiten macht sich auch keiner mehr die Mühe, fürs neue, fürs nächste Semester und das regelmäßig anstehende Vorlesungsverzeichnis mal ein paar frische Gedanken zu entwickeln, ein paar neue Zeilen zu texten – über das Profil der Klasse, über den Sinn der Lehre, über die neuen Lehrveranstaltungen. Unsäglich, wie beispielsweise in Dresden die Professoren, darunter etliche durchaus sympathische Faulpelze, den eigenen Quark, Semester für Semester, erneut ins neue Vorlesungsverzeichnis müllen lassen. Kann man dort gut honorierten Künstlern wie Hans-Peter Adamski, Peter Bömmels, Lutz Dammbeck, Ulrike Grossarth, Martin Honert, Wilhelm Mundt oder Carl Emanuel Wolff nicht mal in den Hintern treten? Dreist, wie sie, die meisten Köpfe der Fakultät I, Bildende Kunst, im Verzeichnis fürs Sommersemester 2011, Wort für Wort, nachdrucken lassen, was sie schon im zurückliegenden Wintersemester veröffentlicht haben. Sommer wie Winter? Jacke wie Ho- se? Scheißegal?

So viel Einfallslosigkeit in einer kreativen Institution tut jedenfalls weh – und lässt die Frage aufkommen, wa-rum sich die Studierenden das bieten lassen. Nehmt Eure Professoren endlich an die Kandare! Die, allesamt mit Titeln dekoriert, werden dafür bezahlt, dass sie lehren. Mit Leere hat das nix zu tun.

Karlheinz Schmid“

Nach der veröffentlichten Verunglimpfung im ‚Informationsdienst Kunst‘ durch den bekannten Autor Karlheinz Schmid steht der Text nun endlich für alle Interessierten auf unserem Stura-Blog zur Verfügung. Comments are welcome. Protest oder stille Missachtung ?

2 comments:

  1. Eva Jünger

    „Faulenzerprofessoren?“
    Ohne Zweifel gibt es den vielbeschäftigten Professor, der durch Abwesenheit glänzt. Den gibt es an allen Universitäten, allen TUs, HTWs und anderen Hochschulen. Wenn die Beschreibung des Fachklasseninhalts im Vorlesungverzeichnis der einzige Parameter ist, an dem man die „Arbeitsmoral“ der Professoren misst, ist das traurig. Zu bedenken ist, dass für die Kurzbeschreibung des Lehrinhalts durchaus lange am Wortlaut gefeilt werden muss. Wenn man ihn einmal hat, wird er verwendet. Kann man wirklich die Kreativität und damit das Engagement für die Studenten eines Professors an seinem sich regelmäßig änderndem Wortlaut erkennen? Für Frau Grossarth, kann ich nur sagen, stimmt das nicht. Ich habe keinen Grund, meiner Professorin „in den Hintern zu treten“.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>