Trauerfeier

In Gedenken an

Herrn Prof. Dipl. Rest. Ulrich Schießl *1948 †2011

Heute, 20.10.2011, 14 Uhr

Labortheater, Güntzstr. 34

Trauerrede für Herrn Prof. Dipl. Rest. Ulrich Schießl

Seit nun mehr fast drei Monaten ist die Fachklasse für Konservierung und Restaurierung von Polychromen Bildwerken, Bildtafeln und Retabel sozusagen kopflos.

Wir sind zutiefst betroffen und möchten diesen Anlass nutzen, nun auch als Studierende unsere Trauer um Herrn Prof. Schießl zum Ausdruck zu bringen. Mit ihm haben wir einen unersetzlichen Lehrer und Mentor verloren.
Er hat in der der ihm eigenen besonderen Manier weit mehr, sowohl für den Studiengang bzw. die Hochschule, als auch für die Restaurierung insgesamt bewirkt, als es seine Position verlangt hätte.

Es ist für uns alle unverständlich nun von ihm Abschied nehmen zu müssen.

Zwar gedenken wir Herrn Prof. Ulrich Schießl auch als einer Person, die unzählige Ämter und Funktionen inne hatte, deren Auflistung hier einfach ausufern würde, jedoch möchten wir vor allem dem Menschen gedenken, mit dem uns persönliche Erinnerungen und Erlebnisse verbinden.

Wir danken:

Dem Don Quichote überflüssiger Lesefrüchte

Dem bisweilen zu anspruchsvollen Prüfer, der aber auch bei unangekündigten Leistungserhebungen Himbeertorte freilegen ließ

Dem Dozenten, der Freitagnachmittag unerwartet durch das Atelier tänzeln konnte

Dem Kammerjäger, der Ameisenplagen mehr oder weniger erfolgreich mit Degalan P28N bekämpfte

Dem „gefühlt“ 100 fachen Doktorvater

Dem Lehrer, der uns, wenn auch manchmal schmerzlich, immer wieder zurück auf den Boden der Tatsachen holte

Dem Frühaufsteher und Zuspätkommer

Dem Menschen, der andere mit seiner Begeisterung anstecken konnte

Dem Mann der Tat, der kompromisslos war, der aber wenn es darauf ankam den Kompromiss einem Stillstand vorzog

Dem Mann der alten Schule

Dem Gourmet, der stets gerne mit anderen teilte

Dem Verachter blauer Nitril-Handschuhe

Dem Philologen, der schon mal den halben Sprachschatz eines Erstsemestlers auf den Index setzten konnte

Dem Herausforderer

Dem langjährigen tollkühnen Paparazzi, der leider stets nur die Hälfte seiner Dia-Bilder parat hatte

Dem wandelnden Lexikon

Dem Humoristen, dessen beiläufige Ironie von vielen unbemerkt blieb

Dem Polychromiepapst, der die Atelierzeit dreimal die Woche heilig sprach

Dem Angler, der immer ein Projekt am Haken hatte

Dem Schäfer, der seine Schäfchen ins Trockene brachte

Dem The Real Monday Night Long Island Ice Tea Orchestra Jazz-Fanatic

Dem Menschen, der, ob er wollte oder nicht, mehr als einfach nur unser Professor war

Autor: Studierende der Fachklassen für Kunsttechnologie, Konservierung und Restaurierung

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