Tagung im Hygienemuseum- Kundgebung 20.6. um 18 Uhr

Eine der wenigen Dresdener Institutionen mit kulturwissenschaftlichem, künstlerischem und zeitgenössischen Profil macht sich unglaubwürdig. Im Folgenden der Aufruf zur Kundgebung:

Der Kapitalismus ist so natürlich wie Polyester 120 Gründe gegen den Kapitalismus und keinen dafür. Speech und Spiel. Immobilienkrise, Banken- und Finanzkrise, Staatsschuldenkrise, Eurokrise, Ökokrise, Rohstoffkrise, Demokratiekrise … Erschöpfung, Depression, Krankheit, Verarmung und Angst. Eine Krise geht einher mit der nächsten. Kein Wunder, dass sich die Wissenschaft fragt, ob es eventuell mit der aktuellen und global durchgesetzten kapitalistischen Wirtschaftsordnung einen Zusammenhang gibt. Und so veranstaltet das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden zusammen mit der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Lehrstuhl für politische Systeme der TU Dresden zwei Tagungen.Unter dem Titel  KAPITALISMUS/KOMMUNISMUS – GLANZ UND ELEND ZWEIER GESELLSCHAFTSMODELLE boxen beide Gesellschaftsordnungen gegeneinander im Ring der Wissenschaften.

Teil 1 findet vom 20. bis zum 22. Juni 2013 im Hygienemuseum statt. Hier sind mehrere Teufelskerle aufgefordert für den Kapitalismus zu fighten. Zum einen steigt die Alternative für Deutschland, vertreten durch Prof. Ulrich Blum, in den Ring, die nicht Kapitalismus, sondern den Euro und den Wohlfahrtsstaat in Frage stellt. Unter dem Label „mehr Demokratie für Europa“ beschwört die AfD auf der Grundlage realer finanzpolitischer Probleme ein Programm des „survival of the fittest“. Die AfD denkt nur bis zum deutschen Tellerrand. Dass die kapitalistische Produktionsweise die aktuellen Krisen beinhaltet, ist nicht Gegenstand ihres Programms. Verkürzt wird die aktuelle Euro-Politik der Bundesregierung auf einen Zwang zur Gemeinschaftswährung, auf einen Fehler, der sich korrigieren ließe und nicht im Kapitalismus und seiner Logik angelegt wäre. Zum anderen präsentiert sich die so genannte „Soziobiologie“, welche mit Hilfe einer biologistisch gewendeten Evolutionslehre danach fragt, „auf welchen soziobiologischen Dispositionen (…) das Prinzip von Wettbewerb, Konkurrenz und Kooperation“ beruht. Das kapitalistische Denken/ Gesellschaftliche, menschengemachte Zwangsverhältnisse erklärt die Soziobiologie zur menschlichen Natur, und damit als Unabänderliches. Gegen die Evolutionstheoretiker treten die Kritiker des Wachstumszwangs an. Die  Postwachstumsvisionen gewannenin den vergangen Jahren an Einfluss in den Debatten um die Zukunft der westlichen Gesellschaften und ihren Vorstellungen von „Fortschritt“ und „Wohlstand“. Die negativen Begleiterscheinungen des Kapitalismus wie die Überbelastung der Menschen und der Ökosysteme werden kritisiert. Alternativen zum Kapitalismus, Konsum oder zum Einkommenserwerb über prekäre Jobs oder Sozialstaatskassen werden hier bereits diskutiert. Die Kritik am Kapitalismus beginnt für diese Forscher_innen allerdings erst mit seiner sichtbar gewordenen Krise in den Zentren. Appelliert wird an die „Vernunft der Eliten“, die Ordnung umzugestalten, um kein Versinken im Chaos zu riskieren. Außerhalb des Spielfeldes wird allerdings sehr deutlich, dass keineswegs alle an diesem Kapitalismus-Diskurs „partizipieren können“. Die Verelendung in Südosteuropa und in den Regionen jenseits der wirtschaftlichen Zentren zeigt mehr als deutlich, dass der Kapitalismus in seiner Realität Menschen tötet,wie in den Sweatshops in Bangladesch. Den Tod dieser Menschen meint wohl der zynische Begriff der Begleitschäden (vgl. Tagungsankündigung). Neben den realen Lebensumständen und Arbeitsbedingungen wird uns auch noch Eigenoptimierung und Selbstzurichtung abverlangt, die unser Soziales der Marktlogik unterwirft und uns alle zu Gegner_innen im Kampf um Jobs und Anerkennung werden lässt. Nicht als Zuschauer_innen wollen wir diesen „Kampf der Giganten“ begleiten, auch sind wir nicht kritisches oder progressives Beiwerk dieser Tagung. Wir schreien unsere 120 Gründe gegen den Kapitalismus laut heraus! Wir haben keine Lust mehr im Ring zu boxen!

Kommt vorbei!

Donnerstag, 20. Juni, 18 Uhr

Platz vor dem Hygienemuseum

 

 

1 comment:

  1. Moritz

    Hallo Verfasser oder Verfasserin,

    ich stehe dem Kapitalismus zwar auch nicht gänzlich unkritisch gegenüber, aber ich finde den Aufruf an dieser Stelle seinerseits aus zwei Gründen nicht akzeptabel:

    Zum einen scheint mir die genannte Veranstaltung nicht derart kritikwürdig zu sein. Ein Symposion dieser Art soll und muß auch mit Standpunkten konfrontieren, die eben gerade nicht allgemeiner Konsens sind, damit sich der Teilnehmer eine eigene Meinung bilden kann. Eine Veranstaltung, die der Meinungsäußerung und in der Folge auch Meinungsbildung dienen soll, zu stören, ist selbst wider den Grundgedanken der Demokratie.

    Zum Zweiten hat sich der Stura meines Erachtens nicht derart deutlich (und extrem) politisch zu positionieren, weil es durch die Wahlen kein Mandat für die Vertretung einer bestimmten politischen Linie gibt. Zumal in diesem Fall auch die persönlichen Interessen der Studenten oder der Hochschule überhaupt nicht tangiert sind. Ich halte hier mehr Neutralität für geboten.

    Wer mit mir über diesen Punkt diskutieren möchte, weiß, wie/wo er mich findet, denke ich…

    vielen Dank für die (ansonsten) sehr gute Stura-Arbeit!

    Moritz Haakh
    2. Stj. Kostümgestaltung

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