Anwesenheits- und Teilnahmelisten an der HfBK

Um die Verwirrung im Hinblick auf den Umgang mit Anwesenheits- und Teilnahmelisten an der HfBK Dresden fürs erste aus der Welt zu schaffen möchten wir im folgenden unsere Position als STURA darlegen.

Zunächst ist prinzipiell zwischen Anwesenheits- und Teilnahmelisten zu unterscheiden. Die Teilnahmelisten, die in manchen Seminaren an der HfBK geführt werden, dienen lediglich zum Beweis, das ein Seminar stattgefunden hat, so zum Beispiel wenn ein Lehrbeauftragter gegenüber dem SMWK nachweist, dass er oder sie seine Arbeit gemacht hat.

Aber zu den Anwesenheitsliste: Die Führung von Anwesenheitslisten zur Ermittlung, ob Studierende regelmäßig Lehrveranstaltungen, Seminaren o. Ä. beigewohnt haben, ist nur auf freiwilliger Basis zulässig. Insbesondere darf der Nachweis einer regelmäßigen Teilnahme von Studierenden an solchen Veranstaltungen nicht zur Voraussetzung einer Zulassung zu Hochschulprüfungen gemacht werden.“ Was Prof. Sabine von Schorlemer, Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, hier darlegt (10.12.2009) bedeutet im Klartext, dass Anwesenheit keine Voraussetzung zur Zulassung einer Prüfung sein darf. In unserem Falle bedeutet das, dass Anwesenheitslisten nur im Falle eines „Sitzscheines“ überhaupt gerechtfertigt sind, also wenn keine andere Prüfungsleistung erfolgt (vgl. Kleine Anfrage von der Fraktion DIE LINKE im sächsischen Landtag 5/11230). Auch unsere Prüfungs-oder Studienordnung als Argumentationsgrundlage für Anwesenheitskontrollen ist nicht haltbar. In einem vielzitierten Brief des Prorektors der TU Dresden Lenz vom 12.10.09 heißt es dazu: Das Ergebnis einer über einen längeren Zeitraum hinweg erfolgenden Dokumentation der individuellen studentischen Anwesenheit in einer Lehrveranstaltung kann über rein studienorganisatorische Aspekte hinaus nur in Ausnahmefällen relevant – im Sinne direkt abgeleiteter Konsequenzen – werden. Alle Eingriffe in die Rechte der Studierenden erfordern eine entsprechende gesetzliche Ermächtigung, die Verankerung in Prüfungsordnungen/Studienordnungen reicht dafür allein nicht aus.“  Unter welchen Umständen die Anwesenheit im Falle eines „Sitzscheins“ bescheinigt wird, liegt übrigens in der Hand de_r Professor_in. Der Deutsche Hochschulverband (DHV) legt den Fakultäten und Fachbereichen nahe, bei Vorlesungen von einer Anwesenheitspflicht abzusehen. „Das universitäre Studium lebt von Eigeninitiative, eigenständigem Denken und Selbstverantwortung„, erläuterte der Präsident des DHV, Professor Dr. Bernhard Kempen, diese Empfehlung.

Generell werden Anwesenheitslisten wohl weder das Lernen um des Lernens willen fördern noch ist anzunehmen, dass eine erhöhte Lernbereitschaft erzwungen werden kann. Auch die Auseinandersetzung mit Inhalten kann eine Anwesenheitsliste nicht gewährleisten. Größere Aufmerksamkeit, aktivere Mitarbeit und verantwortungsbewusstes Lernen fördern Anwesenheitslisten nicht. Auch die auf der homepage der HfBK Dresden hervorgehobene „Individualität des Studierenden“, die im Zentrum stehen soll und die „künstlerische Arbeit als Erkentnissprozess“ dürften wohl kaum durch Maßnahmen wie die Anwesenheitslisten begünstigt werden.

Wir möchten Studierende ermuntern, selbstbestimmt zu studieren, Lehrende immer wieder neu an diese Sachverhalte zu erinnern, damit sie nicht in Vergessenheit geraten und Lehrende ermuntern, eigenverantwortliches Lernen und Studieren zu unterstützen. Zugrunde liegt der immer wiederkehrende Frage nach der Legitimität von Anwesenheitslisten die Frage nach dem „Wie?“ von Lernen und Lehren an der Hochschule. Eine Diskussion über die selbstbestimmtes, eigenverantwortliches Studieren, Selbstermächtigung und die gesellschaftspolitische Dimension des , in der Praxis der Anwesenheitslisten zu erkennenden Bildungsbegriffs wäre vielleicht die wirklich interessante Frage.

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