Ringvorlesung POLITISCH ÖFFENTLICH PRIVAT – Individuum und Gesellschaft zwischen Gewalt und Selbstkontrolle

privatepolitischflyer
HSZ/ 301/ U
Mittwochs 16.40Uhr
Beginn 09.04.2014
Das Leben auf Facebook, die Freizeit im Betrieb und irgendwo dazwischen noch parlamentarisch-demokratisch legitimierte Überwachungskameras – auf den ersten Blick scheint die Antwort auf die Frage nach Existenz und Bedeutung öffentlicher und privater Sphäre nur noch in einem kulturpessimistischen Seufzer zu bestehen. Jenseits aller Kontrollmechanismen schicken sich die Menschen von selbst an, sich für das automatische Subjekt des Wirtschaftssystems zu optimieren und alle politischen Zugriffe von Staat und Gesellschaft überflüssig zu machen. Als Alternative werden allzu oft verschiedene kollektivistische Angebote präsentiert, welche die wirtschaftliche durch politische Selbstoptimierung ersetzen. Die Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft scheint entgegen ihrer Ideale vom individuellen Glücksstreben sowohl in ihrer materiellen Vollendung als auch in ihrer Aufhebung einer gesellschaftlichen Totalität entgegen zu streben. Das von Hannah Arendt mit dem Blick auf die antike Polis betonte Ideal einer Trennung von Wirtschaft und Politik (zugunsten eines Bereichs transzendenter Öffentlichkeit) ist heute unerreichbarer denn je. Dass sich schließlich hinter der Forderung nach einem jeglichen öffentlichen Zugriff s entzogenen Privatbereich nicht selten ein konservativer Reflex und die damit verbundene Verschleierung privater Herrschaftsmechanismen verbergen, macht die Problemlage nicht einfacher. Angesichts solcher Ambivalenzen mutet mittlerweile schon die Frage nach der Grenze zwischen Öffentlichkeit und Privatheit zweifelhaft an.
Steht also die Forderung nach Privatsphäre der individuellen Emanzipation im Weg, weil sie immer auch bestehende Ungleichheit und Herrschaft durch Unantastbarkeit legitimiert? Oder kann Privatsphäre ohnehin nur als sekundärer Bereich, der durch Öff entlichkeit und politische Entscheidungsfindung erst geformt wird, verstanden werden? Welche Bereiche sollten der politischen Entscheidungsfindung besser entzogen bleiben und existieren überhaupt Bereiche, die dem ursprünglich feministischen Postulat, wonach das Private politisch sei, inhaltlichen Widerspruch leisten können?
Das Thema wirft eine Menge Fragen zu einer besonders in den letzten 50 Jahren häufig thematisierten Problematik auf, zu denen die 8. Ringvorlesung der Vernetzung politischer Hochschulgruppen einige mögliche Antworten und Perspektiven geben könnte. Unterstützt wird die Vernetzung, der neben verschiedenen Hochschulgruppen auch das Referat für Gleichstellungspolitik und das Referat für politische Bildung des Sturas der TU Dresden angehören, in diesem Jahr zum zweiten Mal vom Stura der Hochschule für Bildende Künste. Ebenfalls wird die Ringvorlesung auch in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft Dr. Tino Heims (Institut für Soziologie) stehen. Da die Veranstaltung speziell für das studium generale konzipiert ist, besteht die Möglichkeit, einen Teilnahmeschein, einen Leistungsschein oder Aquacredits (1 Cr. für Teilnahme, 3 Cr. für Teilnahme und Klausur) zu erlangen. Die Vorlesung steht auch für GasthörerInnen („Seniorenakademie“, „Dresdner Bürger-Universität“, etc.) offen. Der Besuch einzelner Veranstaltungen ist ebenfalls möglich.
 
Referat für politische Bildung der TU Dresden www.stura.tu-dresden.de/referat_politische_bildung
Die Linke.SDS Dresden www.linke-hsg-dresden.de
Amnesty International Hochschulgruppe Dresden www.tu-dresden.de/amnesty
Stura der Hochschule für Bildende Künste sturahfbkdresden.de
Schwule und Lesben an der Uni schlau.stura.tu-dresden.de

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