RÜCKBLICK Elena Zanichelli: „Bitte eintreten – Über das Private in der Kunst der 1990er Jahre“

ringvlAm Mittwoch den 07.05. konnten wir im Rahmen der Ringvorlesung an der TU Dresden (Privat, Politisch, Öffentlich) Elena Zanichelli, ihres Zeichens Kunstihistorikerin, Kuratorin und Dozentin u.a. an der UdK Berlin in Dresden begrüßen. In ihrem Vortrag sprach sie anhand von zwei Beispielen über „Rethoriken des Privaten in der Kunst der 1990er“. Sie beschrieb die Ausdifferenzierung einer „mobilen Grenze“ zwischen Privat und Öffentlich als symptomatisch für das Jahrzehnt. Anhand zweier Arbeiten der Künstler_innen Felix Gonzales-Torres und Monica Bonvicini unterstrich sie diese These. Was macht so ein Bild, welches in einen Raum eintreten lässt, der vermeintlich persönlich und damit auch „real“ sein soll? Wie steht das Schieben und Beschreiben des Grenzraums im Zusammenhang mit der feministischen Bewegung? Warum ist es heute so schwer, die Grenze zu sehen bzw. mit ihr zu arbeiten? Gilles Deleuze beschreibt in seinem Text „Zum Stand ästhetischer Freiheit“ den Übergang der Disziplinargesellschaft zur Kontrollgesellschaft. Einst waren es Gruppen von priviligierten Menschen, welche sich im öffentlichen Raum bewegen und damit politische Macht ausüben konnten. Doch wo diese Grenze zwischen öffentlich und häuslich, duch das permanente Streben nach Selbstverwirklichung in einem vermeintlich freiheitlichen und „liberalem“ System ausgehebelt wird wirkt die Macht durch das Individum hindurch. Dezidiert politische Aktivitäten und wirklich private Räume vereinheitlichen sich zu einem schwammigen Brei. Existiert die Grenze, welche Elena Zanichelli als so spannenden Bereich beschrieben hat überhaupt noch? Jede_r kontrolliert sich selbst, immer und überall. Die Bilder der 1990er schienen mir fast schon Geschichte zu sein. (t.s.)

0 comments:

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>