p.E.g.I.d.A. – wie bitte??

Dresden, 26.12.2014

„Tolerare“ ist lateinisch und heißt so viel wie aushalten, ertragen oder erdulden. Das, was seit Wochen jeden Montag in der Innenstadt Dresdens stattfindet überschreitet für uns die Grenzen des Erträglichen. Dass eine rechte Meinungsmache, wie sie die p.E.g.I.d.A. (Patriotische Bürger gegen die Islamisierung des Abendlandes) – Organisatoren_innen formulieren auf solch breite Zustimmung stößt schockiert uns.

 

Die Forderungen der „patriotischen Bürger_innen“ sind zusammengewürfelt. Sprache und Bilder, welche die „Bewegung“ dem angeblich friedlichen Gefolge anbietet, ist eine beängstigende Mischung aus Verfälschung der Geschichte, Hasspredigt, Emotionalisierung und Verschwörungstheorie. Es werden dort für jede Form von Unzufriedenheit undifferenzierte Erklärungen und Feindbilder entworfen und durchmischt. Das scheinbar positiv formulierte Positionspapier (workupload.com/file/gsSXC0B6) ist unpräzise und beliebig. Die alturistischen Formulierungen des Papiers sind angesichts der sich montaglich in Dresden abspielenden Szenarien unglaubwürdig. Beunruhigend ist, dass sich immer mehr Dresdner_innen irgendwo darin wiederzufinden scheinen. Wo keine klaren Inhalte zu finden sind, ist Platz für Projektionen jeglicher Art. Und letztlich zeichnet die p.E.g.I.d.A. in einem der ethnisch homogensten Teilen dieses Landes das „Monster der Überfremdung“ an die Wand.

 

Als zukünftige Kulturschaffende fragen wir uns, wo und wie in einem derartig gruseligen Klima Ästhetisches wachsen kann. Können Kunst und Kultur noch Fragen stellen, wenn platte Aussagen so laut sind, dass keine Zeit bleibt, eine selbstständige Antwort zu formulieren? Wie kann ein sensibler Umgang mit den uns verfügbaren Medien versucht werden, wenn Sprache, Geschichte und der Kulturbegriff instrumentalisiert werden?

 

Wir finden es gefährlich, dass p.E.g.I.d.A. ein Sammelbecken unzufriedener Bürger_innen wird und sehen eine Gefahr darin, die „Forderungen“ der p.E.g.I.d.A. als solche ernst zu nehmen und oft als „Mitläufer_innen“ bezeichnete Menschen in Schutz zu nehmen bzw. sie zu Opfern zu machen. Es handelt sich hier nicht um Drahtzieher_innen einerseits und Mitläufer_innen andererseits, sondern um eine Gruppe mit grundlegend menschenfeindlichem Konsens. Rassismus und Xenophobie nehmen die unterschiedlichsten Formen an und drücken sich nicht nur in offen sichtbarer Gewalt aus, sondern auch getarnt und durch ein „Wir sind keine Rassisten, aber…“. Dies scheint hier auf besonders fruchtbaren Boden zu fallen. Deshalb ist es uns besonders wichtig, eben nicht Allem irgendwie eine Stimme einzuräumen, sondern sich klar von Rassismus und Nationalchauvinismus abzugrenzen.

 

Wir wollen NICHT ertragen, was sich da all wöchentlich in der Dresdner Innenstadt ergießt! Wir freuen uns auf ein (anti-)internationaleres Dresden und rufen alle Studierenden dazu auf, daran mitzuarbeiten. Rassismus und Xenophobie gilt es zu bekämpfen, besonders dort wo sie im vermeintlich „friedlichen“ und bürgerlichen Gewand daher kommen. Wir hoffen, dass Menschen fähig sind, sich Meinung und Urteil zu bilden und klar Stellung zu beziehen.

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